Versandhandel

einkaufstuetenDer Online-Handel erfreut sich weiterhin großer Zuwachsraten. Insbesondere über den Marktführer Ebay wickeln viele Händler mittlerweile den Hauptteil ihres Erlöses ab. Da die Finanzämter inzwischen gerade hierauf ein besonderes Augenmerk legen, sollte sich jeder Anbieter über die steuerlichen Pflichten, die sich aus dem Online-Verkauf ergeben, bewusst werden.

Zunächst ist zwischen Verkäufen privater und unternehmerischer Natur zu unterscheiden. Die Grenzen sind oftmals fließend. Allgemein wird der Privatverkäufer dann zum gewerblichen Verkäufer, wenn er ständig, planmäßig und mit Gewinnerzielungsabsicht handelt. Werden beispielsweise häufig ähnliche Gegenstände zum Verkauf angeboten, unterstellt das Finanzamt eine nachhaltige, mit Gewinnerzielungsabsicht durchgeführte und damit unternehmerische Betätigung. Fragen zur Umsatzsteuer und zur steuerlichen Erfassung sind damit unmittelbar verbunden.

Bei einer unternehmerischen Betätigung sind daher Nachweise über Einnahmen und Ausgaben genau zu führen, um Schätzungen durch das Finanzamt zu vermeiden. Aber auch im privaten Bereich sind unter Umständen Haltefristen zu beachten, insbesondere dann, wenn es sich um Immobilien und private Wertgegenstände (z. B. Gemälde, Antiquitäten) handelt.

Den Finanzbehörden steht mit der speziell entwickelten Software XPIDER ein Mittel zur Verfügung, mit der die Verkaufsplattformen systematisch überprüft und Querverbindungen zwischen An- und Verkäufen abgeglichen werden können. Verstöße gegen steuerliche Vorschriften können somit gezielt geahndet werden.

Steuerliche Pflichten

Ein Händler, der sich unternehmerisch betätigt, hat sich beim zuständigen Finanzamt zunächst steuerlich zu registrieren. Aus dem Versandhandel (Ebay) ergeben sich eine Vielzahl weiterer steuerlicher Pflichten, unabhängig davon, ob die Waren per Telefon, aus einem Katalog oder über das Internet bestellt werden.

Umsatzsteuer

Umsatzsteuerlich ist zunächst einmal zu prüfen, ob der Händler der Regelbesteuerung unterliegt oder ob die Möglichkeit der Kleinunternehmerregelung besteht. Dies hat Auswirkungen auf die steuerliche Behandlung der unternehmerischen Umsätze aber auch der Auktionsgebühren von Ebay. Weiterhin stellen sich Probleme bei Wiederverkäufern, die von Privatpersonen Waren ankaufen und diese anschließend weiterveräußern.

Grundsätzlich ist beim Internet-Versandhandel zu unterscheiden, ob der Anbieter im Inland oder Ausland seinen Sitz hat. Prinzipiell gilt für die Lieferung von Gegenständen an Privatpersonen (B-C) im Binnenmarkt das so genannte Ursprungslandprinzip. Der Abnehmer der Ware zahlt somit die Umsatzsteuer des Herkunftslandes. Allerdings hängt es beim Versandhandel vom Handelsvolumen des Lieferanten mit dem jeweiligen Mitgliedstaat ab, ob die Besteuerung im Abgangs- oder im Bestimmungsland erfolgt. Ab Überschreiten der sogenannten Lieferschwelle greift das Bestimmungslandprinzip.

Beim Versandhandel zwischen Unternehmern (B-B) gilt für Lieferungen im Binnenmarkt grundsätzlich das Bestimmungslandprinzip. Der Leistungsempfänger hat in diesem Fall seine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer mitzuteilen und die Steuer in dem jeweiligen Land abzuführen. Bei Einschaltung mehrerer Unternehmer innerhalb der Lieferkette kann sich der Leistungsort verlagern, so dass auf die beteiligten Unternehmer eventuell ausländische Registrierungspflichten zukommen können.

Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer


Zur Ermittlung des steuerlichen Gewinns sind Belege und Kontoauszüge sorgfältig aufzubewahren. Der nachhaltige und mit Gewinnerzielungsabsicht durchgeführte Verkauf von Waren unterliegt neben der Einkommensteuer- bzw. Körperschaftsteuerpflicht zusätzlich der Gewerbesteuerpflicht.

Rechtliche Pflichten


Neben den steuerlichen Pflichten gilt es auch eine Reihe von rechtlichen Pflichten zu beachten. Hierbei ist, ebenso wie hinsichtlich der steuerlichen Beurteilung, zunächst dahingehend zu unterscheiden, ob der Verkauf privaten oder gewerblichen Charakter hat.


Bei Privatverkäufen können Ansprüche des Käufers, wie etwa aus Garantie oder Gewährleistungshaftung, generell ausgeschlossen werden. Der Verkäufer ist dann unter anderem nicht verpflichtet, für (ihm unbekannte) Mängel einzustehen. Die Haftung für (arglistig) verschwiegene Mängel bleibt jedoch in jedem Fall bestehen.


Daneben gilt es generell zu beachten, dass die Beschreibung eines Artikels möglichst genau und natürlich korrekt sein soll. Bekannte Mängel sollten so genau wie möglich bezeichnet und beschrieben werden. Dies hilft spätere Streitigkeiten mit dem Käufer zu vermeiden.

Bei gewerblichen Verkäufen an Verbraucher hingegen gilt es eine Vielzahl von Verpflichtungen zu beachten. Hier ist zunächst darauf hinzuweisen, dass bei neuen Waren eine generelle Gewährleistungspflicht von 2 Jahren und bei gebrauchten Waren eine generelle Gewährleistungspflicht von 1 Jahr gilt. Diese können nicht, auch nicht durch individuelle Vereinbarung, abbedungen werden.

Daneben ist insbesondere auch auf die Verpflichtung zur Erteilung einer Widerrufsbelehrung hinzuweisen. Diese ist auf der Web- oder Artikelseite dergestalt einzubinden, dass sie durch den Käufer schnell und unkompliziert gefunden werden kann. Generell gilt zudem, dass der Verkäufer für den erfolgreichen Zugang der Waren verantwortlich ist. Das Versandrisiko liegt also bei ihm.

Generell sollten für die Artikelbeschreibung keine Texte oder Bilder anderer Personen oder Webseiten verwandt werden. Diese sind in der Regel urheberrechtlich geschützt und ein Verstoß gegen diese Rechte kann hohe Kosten nach sich ziehen. Kostenintensiv kann auch der Verstoß gegen wettbewerbsrechtliche Vorschriften werden. Insbesondere bei der Gestaltung der Widerrufsbelehrung und/oder von Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist daher genauestens auf deren Zulässigkeit zu achten.

Haben Sie Fragen zur Gestaltung Ihrer Internet- oder Artikelseiten oder sind Sie sich unsicher hinsichtlich der rechtlichen Zulässigkeit Ihrer Widerrufsbelehrung oder Allgemeinen Geschäftsbedingungen? Wir helfen Ihnen jederzeit gern mit kompetentem Rat weiter.

Lassen Sie es nicht darauf ankommen. Schon eine Abmahnung wegen kleinster Unstimmigkeiten kann weitaus mehr kosten, als eine zuvor erfolgte juristische Beratung.

Daneben stehen wir Ihnen bei allen steuerlichen Fragen rund um den Online-Handel als erfahrene Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei Buchhaltung, Jahresabschluss und Steuererklärungen kompetent und umfassend zur Seite.